Schlagquartett Köln

 

 

 

 

 

 

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Anatol Vieru (1926 in Iasi-1998 in Bukarest)

1926 wird Anatol Vieru als Sohn einer jüdischen Familie in Iasi, der Hauptstadt der rumänischen Provinz Moldova geboren. Zunächst studiert er Komposition an der Bukarester Musikakademie. Ein staatliches Stipendium ermöglicht es ihm, 1951 für ein dreijähriges Aufbaustudium an das Moskauer Koservatorium zu wechseln. Dort lernt er bei Aram Chatschaturian, mit dem er bis zu dessen Tod eng befreundet bleibt.

Zurück in Bukarest bekommt er eine Professur für Komposition und Orchestration an der Bukarester Musikakademie, die er bis 1986 innehält.

In Moskau fällt er durch seine avantgardistische Sprache auf. Frühe Anerkennungen, u.a. durch den Preis "Reine Marie José" in Genf, 1962, verhelfen ihm zu einer internationalen Anerkennung. Die zunehmende Isolation Rumäniens verhindert aber eine kontinuierliche Rezeption seiner Musik.

Dennoch bleibt Anatol Vieru einer der bedeutendsten Kompositionslehrer und Dirigenten in Osteuropa. Eine enge Freundschaft verbindet ihn mit vielen osteuropäischen Komponisten und Interpreten, insbesondere Kollegen aus der UdSSR wie Edison Denissov, Alfred Schnittke, Svjatoslav Richter oder Natalia Gutman.

In den 70er Jahren initiiert er unter dem Titel "Musiques parallèles" Konzerte, in denen er historische Musik mit neuesten Kompositionen dialogisieren lässt. Dabei dirigiert er viele wichtige rumänische Erstaufführungen, u.a. Werke von Schönberg, Webern, Cage, Feldman, Scelsi und Varèse.

Als einer der eminentesten Wissenschaftler, die sich mit der modalen Organisation neuer Musik beschäftigen, erhält er vielfache Einladungen an kanadische und us-amerikanische Universitäten (so beispielsweise der New York University). 1998 stirbt er plötzlich an den Folgen einer Operation.

Mosaiques für drei Schlagzeuggruppen (1972)

Anatol Vieru verfolgt von Beginn an eine konsequente modale Schreibweise. Kompakte Modi werden vielfältigen Operationen der In- und Exklusion oder Transposition unterworfen, um eine möglichst flexible musikalische Sprache zu ermöglichen. Dabei hegt Anatol Vieru keine Präferenz für bestimmte Intervalle. In der Folge kann er gleichzeitig sowohl extrem konsonante wie auch dissonante musikalische Sprachen benutzen.

Ende der 60er Jahre entwickelt Anatol Vieru die für ihn spezifische musikalische Form des "Siebs": Klangereignisse werden mittels einfacher Algorithmen - in "Mosaiques" sind es Reihen von Primzahlen und ihren Potenzen - ausgebreitet. Mehrere dieser Klangbänder werden übereinandergeschichtet und ergeben ein akustisches Palimpsest.

Nachdem Anatol Vieru diese Form in Werken wie "Das Sieb des Eratosthenes" (1969), den Orchesterstücken Clepsidra I (1968/69) für Trompete und Orchester oder Clepsidra II (1970-72) für Kammerchor, Panflöte, Psalterium und Orchester erprobt hatte, schreibt er das Stück "Mosaique" für drei Schlagzeuggruppen.

Jede Gruppe hat ein eigenes akustisches Profil aus reinem Schlagwerk und Mallets. Die einzelnen über Algorithmen ausgebreiteten "Klangtropfen" - immer piano gespielt - verbinden sich zu einer durchgängigen Melodie.

Quasi idiophonisch behandelte Phoneme verleihen dem Werk eine surreale Atmosphäre. Kurz vor Schluss wird das Gewebe aus einzelnen Klangpunkten durch ein plötzlich einsetzendes "Erdbeben" dramatisch beleuchtet. Ebenso unvorgesehen wie es erschienen ist, verschwindet es wieder ohne die Kontinuität der aus "Klangtropfen" zusammengefügten Schlagzeugmelodie zu verletzen.

Thomas Beimel (http://www.thomasbeimel.de/)

 

 

 

 

 

 

 

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