Schlagquartett Köln

 

 

 

 

 

 

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Bernd Thewes

geb. am 13.5.57 in Quierschied bei Saarbrücken, als Kind Unterricht in Blockflöte, Akkordeon und Trompete, 1969-76 Tanz- und Blasmusik, daneben Aktivitäten als Keyboarder in verschiedenen Rock- und Jazzformationen,ab 1972 klassischer Klavierunterricht, 1978-81 Studium der Schulmusik in Saarbrücken: Klavier bei Jean Micault, Tonsatz bei Clemens Kremer und Theo Brandmüller, ab 1981 intensive autodidaktische Beschäftigung mit Komposition,1982-86 Auftritte als Pianist und Improvisator, Performances in Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern, Aufführungen eigener Kompositionen, Keyboarder der saarländischen Avantgarde Pop Gruppe Dreiklang ab 1983 Studium der Musikwissenschaft in Mainz: Magisterarbeit über das Verhältnis von Notation und Komposition am Beispiel von Lachenmann, Stockhausen und Feldman, 1985 Mitbegründer und bis 1990 Dirigent des Neuen Musikvereins Illingen: Kompositionen und Bearbeitungen für Blasorchester, Aufführungen eigener und fremder Blasorchesterkompositionen mit teils performanceartigem Charakter, seit 1986 intensive Zusammenarbeit mit dem Trompeter Michael Gross,1988 Mitbegründer und seit dieser Zeit künstlerischer Leiter des Illinger Burgfestes für Neue Musik (1988-1997), ab 1991 zusammen mit Michael Gross.

Seit 1989 zahlreiche Auftragskompositionen für Solo- bis Orchesterbesetzungen, radiophone Projekte, Klanginstallationen, Zusammenarbeit mit Musikern wie Dirk Rothbrust, Dietmar Wiesner, Mike Svoboda, Andreas Böttger, Irmela Rölcke, Ueli Wiget, Uwe Dierksen, William Forman, Teodoro Anzellotti, Hermann Kretzschmar, Cathy Milliken, Carol Robinson, Götz Hartmann, Streichtrio Recherche, Ensemble Aventure, Mithras-Oktett, Schlagquartett Köln, Hába Quartett, Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt u.a., Aufführungen bei den Internationalen Theatertagen Villach, dem Illinger Burgfest für Neue Musik, dem Festival des SR Musik im 20.Jahrhundert,den Musikfestspielen Saar, den KlangAktionen München, der Reihe ars nova des SWR, dem Forum Neue Musik des hr u.a....

Portraitkonzerte: 1993 in der Schlosskirche Saarbrücken, veranstaltet vom SR, 1996 im Forum Neue Musik , SR in Zusammenarbeit mit der Stadtgalerie Saarbrücken, 2000 mit dem Schlagquartett Köln in der Alten Feuerwache, Köln.

Rundfunkproduktionen und -sendungen beim SR, SWR und HR,1995 Förderstipendium der Landeshauptstadt Saarbrücken, 1997 Studienaufenthalt in der Cité Internationale des Arts, Paris.

Schlagzeug-Quartett II (2000)

Der Bezug zum Spiel ist Kennzeichen des dem Schlagquartett Köln gewidmeten "Schlagzeug-Quartett II" (2000). In dem Buch "Das Spiel. Naturgesetze steuern den Zufall" von Manfred Eigen und Ruthild Winkler fand ich eine Vielzahl von Würfelspielen, die in ihrem Ablauf bestimmte naturwissenschaftlich bestätigte Prozesse virtuell abbilden.

Ich interessierte mich in erster Linie für Spiele, die einen Gleichgewichtungsprozess simulieren, wie er z.B. bei Molekülverteilungen in Physik und Chemie häufig anzutreffen ist. Solche Prozesse, die ich auf einem eigens für das Stück hergestellten Würfelspiel erwürfelt habe, steuern im Hintergrund des musikalischen Geschehens die Verteilung von grob gesagt "langen" und "kurzen" Klängen in der Art, dass es entweder eine Entwicklung von der Vorherrschaft einer Art (z.B. langer Klänge) zur Gleichverteilung gibt, oder das Aussterben einer Art nach einem Zustand der Gleichverteilung, oder ein längeres Verharren im Zustand der Gleichverteilung.

Das gruppenmässige Zusammenfassen von jeweils 36 Klangereignissen zu einer formalen Zelle bildete sich dabei als Konstante aus. Die nicht der Dimension der lang/kurz-Polarität zugehörigen Aspekte der Komposition sind frei von den Würfelspiel-Ergebnissen aus der Klangvorstellung heraus entwickelt. Es ging also nicht etwa um eine Darstellung von Gleichgewichtsprozessen mit klanglichen Mitteln, sondern um eine Komposition, die in Rücksichtnahme und im Bewusstsein solcher Elementarprozesse ihre individuelle Realisierung anstrebt.

Uraufführung am 15.Juni 2000 in Köln, Schlagquartett Köln

Bernd Thewes

Ping (1996) / Metonym (2000) / Taggadagga (2000)

Das circa 5-minütige Tonbandstück PING (1996) und das Stück METONYM II (2000) transformieren beide dieselbe rhythmische Struktur, nämlich eine Passage aus meinem Schlagzeugquartett 1992, die ihrerseits nun wieder - unter dem onomatopoetischen Titel "TAGGADAGGA" (2000) und mit einem neu komponierten Schluss versehen - als eigenständiges Stück erscheint.

Die Klanglichkeit des Instrumentariums u.a. mit verschiedenen Alltagsgegenständen bestimmt zusammen mit der rhythmischen Struktur das Charakteristische des Stückes. Dieses spezifische Zusammenwirken von Klang und Rhythmus brachte mich auf den Gedanken, beide Ebenen voneinander zu trennen und zu schauen, was passiert, wenn ich die gleiche rhythmische Struktur mit anderen Klängen verwirkliche. So entstand das Tonbandstück PING, das ich im März 1996 in einem Hamburger Tonstudio auf Anregung und mit Hilfe meines Freundes Ralph Kessler aufnahm. Die Komposition ist grösstenteils aus Samples aufgebaut. Die Samples wurden am Klavier aufgenommen, das ich auf verschiedene Weise präpariert und gespielt habe (gezupft, mit Schlägeln, mit Pingpongbällen u.s.w.). Einige Klänge wurden kopiert und mikrotonal transponiert. Die Samples spielte ich dann auf Sequenzer, spielte noch direkt am Klavier und mit dem Sampler-Testprogramm (Sinustöne) verschiedene Spuren darüber mit dem Ziel, sozusagen ein imaginäres Instrument entstehen zu lassen.

Das Phänomen des Entstehens eines neuen, individuellen Stückes trotz gleicher "Substanz" verglich ich mit dem sprachwissenschaftlichen Begriff "Metonymie". Metonymie bedeutet Namensvertauschung; gegenüber dem Begriff Metapher - Vertauschung eines gewöhnlichen Ausdrucks mit einem bildlichen - meint Metonymie die Ersetzung des eigentlichen Ausdrucks durch einen anderen. Mir erschien die Übertragung dieses in der Sprachwissenschaft bekannten Phänomens auf den Kompositionsakt insofern interessant, als ich gezwungen bin - wenn ich die rhythmische Struktur (in bewusster Verdrängung ihrer ursprünglichen klangsinnlichen Erscheinungsform) als eigentlichen Ausdruck auffasse - einen kompositorischen Weg zu finden, eine neue Klanglichkeit aus den Bedingungen einer schon festgelegten Rhythmik heraus neu zu formulieren.

Ich komponierte darauf hin ein weiteres Stück, diesmal für Klavier und Pingpongballwerfer mit dem Titel METONYM und das nunmehr vierte Stück mit der gleichen Rhythmik METONYM II (2000) für Schlagzeugquartett. Hier, wie bei dem Klavierstück, spielen Pingpongbälle, neu entworfene Instrumentarien sowie direkte körperliche Aktionen eine Rolle.

In beiden Stücken ist auch die Sprechstimme der Instrumentalisten gefordert. Während bei METONYM auf ironische Weise die Silbe "da" wiederholt wird, habe ich bei METONYM II einen Text von Hugo Ball verwandt, wo dieser die Wortbedeutung von Dada u.a. herleitet aus dem Rumänischen: "Das ist eine neue Kunstrichtung. Das kann man daran erkennen, dass bisher niemand etwas davon wusste und morgen ganz Zürich davon reden wird. Dada stammt aus dem Lexikon. Es ist furchtbar einfach. Im Französischen bedeutet es Steckenpferd. Im Deutschen heisst's Addio, steigts mir den Rücken runter. Auf Wiedersehen ein andermal! Im Rumänischen: Ja wahrhaftig, Sie haben Recht, so ist's. Jawohl, wirklich, machen wir. Und so weiter. / Ein internationales Wort. Nur ein Wort und das Wort als Bewegung. Sehr leicht zu verstehen. Es ist ganz furchtbar einfach....."(Hugo Ball, Das erste Manifest, 1916)

Uraufführung von "Metonym" und "Taggadagga" am 15. Juni 2000 in Köln, Schlagquartett Köln

Spielmusik III

Die beiden längeren Stücke SPIELMUSIK III und SCHLAGZEUGQUARTETT II haben zwar ziemlich weit auseinander liegende Entstehungszeiten, dennoch aber einige Gemeinsamkeiten. SPIELMUSIK III (Pseudo-Suite) von 1988 wird ausschliesslich auf Trommeln gespielt, und die Auseinandersetzung mit dem gewissermassen " brutalen" Trommeln ist auch der Kerngedanke des Stückes. Auf der Basis eines immer gleich schnellen Pulses von Tempo 192 werden auf verschiedenste Weise bis zum zeitweiligen Verlassen des Pulses Trommelschläge so kombiniert, dass die verschiedenen Dichtegrade und Relationen der über einen längeren Zeitraum ausgedehnten Schlagfolgen eine Physiognomie erscheinen lassen, die in der Wahrnehmungssituation immer wieder grössere Einheiten als "Satz" oder formalen Block zusammenfasst, was mich zu dem Untertitel Pseudo-Suite veranlasste. Das Stück ist ein Spiel mit den vielfältigen Verteilungsmöglichkeiten einer sehr grossen Zahl von Trommelschlägen über einen ziemlich langen Zeitraum und ein Spiel mit der Gestalt- oder Figurwahrnehmung, sozusagen ein "pointilistisches" Konstrukt als Hör-Rebus.

Bernd Thewes

 

 

 

 

 

 

 

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