Schlagquartett Köln

 

 

 

 

 

 

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Toru Takemitsu (1930-1996)

wurde am 8.10. in Tokyo geboren. Nach dem Krieg entschloss er sich, Komponist zu werden und begann 1948 bei Yasuji Kiyose Kompositon zu studieren, blieb im Grunde aber Autodidakt. Im Alter von 20 Jahren debütierte er als Komponist mit dem Werk "Lento in Due Movimenti" für Klavier. Schon früh interessierte sich Takemitsu für viele nichtmusikalische Künste wie moderne Malerei, Literatur (insbesondere Dichtung), Theater und Film. Im Jahr 1951 gründete er zusammen mit anderen Komponisten und Künstlern aus den verschiedensten Bereichen die Gruppe "Experimentelle Werkstatt", eine "Mixed-Media-Gruppe", die bald für ihre avantgardistischen multimedialen Aktivitäten bekannt wurde.

Die erste öffentliche Anerkennung als Komponist erhielt Takemitsu Ende der 50er Jahre mit seinem "Requiem" für Streicher (1957). Takemitsus Interesse an verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen und sein Autodidaktentum waren prägend für seinen avantgardistischen Stil. Er bediente sich schon um 1950 des Tonbandgeräts, um aus "realen" Klängen ("musique concrète") Musik-Collagen zu schaffen ("Water Music" 1960, "Kwaidan" 1964). In den frühen 60er Jahren fanden zwei neue Elemente Eingang in Takemitsus Musik: die traditionelle japanische Musik (z.B. "November Steps", 1967, für biwa, shakuhachi und Orchester) und die Entdeckung der Natur (z.B. "ARC I", 1963, für Orchester, oder "A Flock Descends into the Pentagonal Garden", 1977, für Orchester). Auf der Weltausstellung EXPO 1970 in Osaka war er musikalischer Leiter eines Theaterprojekts ("Space Theater of Street Pavillon"). Während die Einflüsse Schönbergs und Bergs in den frühen Werken bemerkbar sind, bildet der französische Kompositionsstil (besonders der Debussys) die Basis vieler folgender Werke. Takemitsu zeigte ebenfalls Interesse an Jazz, Chanson und Schlager und komponierte als ausgesprochener Film-Fan auch Filmmusik (z.B. "Ran", "Dodes'ka-Den"). Obwohl er sich in den elektronischen Medien und in der Filmmusik zu Hause fühlte, sind seine charakteristischsten Werke jene für Kammerensemble und grosses Orchester. Die "12 Songs for Guitar" (1977), in die er Arrangements weltbekannter Pop-Klassiker einfügte, zeigen Takemitsus Sympathie für sogenannte Unterhaltungsmusik. Takemitsu konzentrierte sich fast ausschliesslich auf Instrumentalmusik. Als Anhänger der "Musique concrète" benutzte er sogar in seinen elektronischen Stücken ausschliesslich natürliche Klänge anstelle von elektronisch generierten.

Er lehrte Komposition an der Yale University, wurde von vielen Universitäten in den USA, Kanada und Australien als Dozent oder Composer-in-Residence eingeladen und erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen (u.a. den UNESCO-IMC Music Prize 1991 und den University of Louisville Grawemeyer Award for Music Composition im Jahr 1994).

Takemitsu starb am 20.2.1996 in Tokyo.

Rain Tree (1981)

"Takemitsu war einmal ein paar Tage bei mir zu Besuch. Er malt sehr schön, und man muss schon Japaner sein, um die Tatsache zu verstehen, dass man sich den Beziehungen zur Natur nicht entziehen kann. Deswegen sind alle seine Musikstücke Natur. Und er malte eine ganze Gruppe von Vögeln im Fluge, wunderschön, sehr schön gemacht, und in der Mitte war eine Amsel, und ich sagte zu ihm: ´Was ist das, Toru?´, und er sagte: ´Ein ES´."

Der US-amerikanische Komponist Morton Feldman staunt über die Verbundenheit mit der Natur, die sein japanischer Kollege Toru Takemitsu verspürt. Eine solche Verbundenheit ist der europäischen und der amerikanischen Kunstmusik eher fremd. Diese versteht sich, wie die abendländische Kultur und Zivilisation überhaupt, als geistig intellektuell. Das bedeutet: Sie nimmt zunächst Distanz zu den Phänomenen ein, auch zur Natur, aus der sie diese dann beobachten kann. Wenn also Natur in europäischer Musik erscheint, dann meistens durch stilisierte Abbildungen wie in der Programmmusik des 19. Jahrhunderts. Vogelzwitschern und Wasserrauschen tönt dort in bildhaften musikalischen Figuren.

Toru Takemitsus Verhältnis zur Natur ist unmittelbarer und innig. Häufig erscheinen Naturphänomene in den Titeln seiner Werke. Sie lauten "Rain Tree", "The Sea is Still" oder "In an Autumn Garden" und listen, beinah enzyklopädisch, etliche Aspekte von Natur auf, darunter Elementares wie Wasser, Wind und Regen.

Aus: Hanno Ehrler Toru Takemitsu: Archipelago S. Atlas der Moderne, 18.1.2000, WDR 3

mehr Informationen über Toru Takemitsu: www.schott-music.com

 

 

 

 

 

 

 

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