Schlagquartett Köln

 

 

 

 

 

 

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Salvatore Sciarrino (*1947)

Es ist mir immer ein bisschen peinlich, wenn man mich um ein paar biografische Zeilen bittet. Ich habe jedes Mal den Eindruck, das die andere Seite Gott weiss welche Abenteuer von mir erwartet. Wie kann man die Essenz eines ganzen Lebens in nur ein paar Zeilen pressen? Als Kind bin ich weder von Piraten entführt worden, noch habe ich die Bühnen der Welt erobert (ehrlich habe ich das auch nie erträumt). Dennoch habe ich etwas getan, obwohl ich nicht weiss, ob es wert ist erzählt zu werden: ich habe meine Musik der Banalität meines Lebens und meines Gesichts entgegengestellt; und überhaupt, wie viele Künstler haben sich schon abseits gehalten, um sich ganz ihrer Arbeit zu widmen. Weil ich einer von ihnen werden wollte, habe ich aus der Isolation eine Methode gemacht, die Grossstadt verlassen und den Schatten gesucht. Das ich Autodidakt bin und auf keinem Konservatorium war, erfüllt mich mit Stolz. Und trotzdem habe ich auch Karriere gemacht und könnte hier eine Liste renommierter Preise, Aufführungen, Interpreten oder künftiger Aufträge anführen. Obwohl ich meine Kunst nie Kompromissen unterworfen habe, könnte ich sogar reich sein, hätte ich nicht immer mehr ausgegeben, als ich verdiente. Sonst habe ich nichts zu sagen.
Ich glaube, es geht hier nicht darum, ob jemand mehr oder minder bescheiden sein will: ich weiss, wo ich gescheitert bin und was ich aus dem Nichts erschaffen habe, und meine Leidenschaft für die Musik wächst ständig. Ich denke, das die Zukunft, das Schicksal der Musik, mein Schicksal und das der anderen, dem Wind anvertraut ist. Wenn die Bäume blühen, dann nur, um sich im Frühling aufzulösen.

Salvatore Sciarrino

Ein dreissig Jahre langes Rauschen (1967-1999)

Dieser Titel erzählt bereits die Geschichte der Komposition, deren Kern auf eine vergangene Epoche zurückgreift.
Die Zeichen auf vergilbten Blättern führen mir die Fremdheit meiner eigenen Vergangenheit vor. Auch die Augen haben sich verändert. Andere Augen, andere Gedanken.
1967 begann sich mein Stil zu fokussieren, nicht alle hätten ihn vielleicht erkannt. Auch für mich ist der Versuch vergeblich, mich nach all diesen Jahren wieder zu erkennen. Was habe ich wohl aus diesem Fragment machen wollen? Diese Ideen verfolgen, die ein Potential an Wagnis und Frage bewahren.
Gerade angesichts aktueller Perspektiven werden manche Eigenschaften des alten Stücks betont: Nur auf diese Weis ist eine Fortsetzung der geschriebenen Teile und eine neuerliche Definition des Projekts möglich gewesen.
Heutzutage kann das Verwenden von ökologischen Klängen (grüne Kieferäste, trockene Blätter, Wasser) zusammen mit orthodoxen Musikinstrumenten seltsam vorkommen. Die Instrumente sind aber nach Materialien geordnet (Holz, Glas, Fell, Metall), und werden nicht hauptsächlich geschlagen, sondern gestrichen.
Dann erscheint diese unerschöpfliche Quelle körperlicher Vibration: die grosse Trommel. Ihr Klang fordert Alarmbereitschaft, weil er namenlos ist, wie der Weltraum. Elemente der Gewalt, wie zerbrechende Gegenstände, Metallrohre und Pistolen widersprechen der extremen Tendenz des Unbegreiflichen und gleichen sie somit aus. Die Fähigkeit zur Meditation mittels Klängen war mir stets immanent.
Stellen Sie sich vor, an den Ufern eines Flusses zu sitzen. Nicht ein realer Fluss, sondern der Fluss der Musik.
Stellen Sie sich vor, an der Rampe eines Konzertes zu sitzen. Nicht ein reales Konzert, sondern eines aus Wasser und Wind. Es gibt Klänge, in die man mit Vergnügen eintaucht. Es gibt aber auch etwas, ohne das kein Klangvergnügen Sinn macht: das ist die Intensität der Stille.
Die Spannung ist der Gedanke des Hörers, der vom Spieler wahrnehmbar gemacht wird.

Salvatore Sciarrino
(übersetzung aus dem Italienischen: Silva Manfré)

Uraufführung am 8. November 1999 in Wien, Schlagquartett Köln

mehr Informationen über Salvatore Sciarrino: www.zeitgenoessische-oper.de

 

 

 

 

 

 

 

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