Schlagquartett Köln

 

 

 

 

 

 

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Younghi Pagh-Paan (*1945 in Cheongju/Süd-Korea)

Kompositionsstudium an der Seoul National University. Fortsetzung der Studien als DAAD-Stipendiatin an der Musikhochschule Freiburg (Komposition bei Klaus Huber, Analyse bei Brian Ferneyhough, Musiktheorie bei Peter Fürtig und Klavier bei Edith Pich-Axenfeld).

International bekannt machte sie die Uraufführung ihres Orchesterwerkes SORI bei den Donaueschinger Musiktagen 1980. Ihre Werke, die das Wesen koreanischer Musikkultur mittels differenzierter westlicher Kompositionstechniken zu erneuern trachten, weckten wachsendes Interesse bei den wichtigen Festivals Neuer Musik und in den Konzertveranstaltungen in ganz Europa.

Für ihr Schaffen erhielt sie mehrere internationale Auszeichnungen. (Ur-)Aufführungen bei den Donaueschinger Musiktagen, bei zahlreichen Festivals für Neue Musik und in Konzerten in ganz Europa.

Gastprofessuren an den Musikhochschulen in Graz und Karlsruhe. Seit 1994 Professor für Komposition an der Hochschule für Künste Bremen, wo sie das Atelier Neue Musik gründete und seither leitet. Sie lebt in Bremen und Panicale (Italien).

Tsi-Shin-Kut (1991-94)

Mit Tsi-Shin-Kut (Erd-Geist-Ritual) knüpfe ich an Traditionen von koreanischer Bauernmusik (Nog-Ak) an, die mir aus der Kindheit gegenwärtig sind. Es handelt sich um ein uraltes schamanistisches Ritual, das bei uns noch lebendig ist: jedes Jahr im Januar ziehen kleine Gruppen von vier bis fünf Musikern durch die Dörfer von Haus zu Haus, um den Segen für Haus und Familie zu erbitten. Durch diese rituelle Musik soll der Erdgeist günstig gestimmt, besänftigt werden, sodass alles Leben in Haus und Hof gedeihen kann.

Das chinesische Zeichen Mu (JA) ist das zentrale Ideogramm des Schamanismus. Es zeigt Himmel, Erde und ein (tanzendes) Menschenpaar. Mensch, Erde und Himmel werden in ihm als ein Ganzes gesehen, wobei der Mensch (A) als Bindeglied der Schöpfung erscheint. Das tanzende Paar weist auf den Ursprung aller Rituale hin, die den Himmel beschwören, der Erde gnädig zu sein. Im Mu-Kult stammt die menschliche Seele nicht aus dem Himmel - so wie im christlichen Glauben sondern aus der Erde und dorthin kehrt sie nach dem Tod auch wieder zurück. So ist für uns die Erde das beseelte, das versöhnende Element; in ihr kommt die Seele zur Ruhe.

Dieses Ritual - eine Schamanenzeremonie (KUT) - habe ich für vier Schlagzeuger komponiert, die durch elektronische Klänge ergänzt werden. Heutzutage nehmen neueste Technologien (Computer, Synthesizer etc.) immer mehr Raum im kompositorischen Denken ein. Ich habe es vorgezogen, mit relativ einfachen und fassbaren Mitteln zu arbeiten. Klangquellen sind verschiedene Schlagzeuge und einige Töne der Kontrabassflöte, die unterschiedlich bearbeitet wurden. (Schlagzeuger: Isao Nakamura, Flötistin: Carin Levin). Eines meiner Anliegen war in gewissem Sinne die Beschwörung jenes allgegenwärtigen "Computer-Geistes", der bereits bis in die Kinderzimmer vorgedrungen ist. Durch meine Arbeit möchte ich dazu anregen, unsere "Wegwerfgesellschaft" kritisch zu überdenken. Ich wende mich gegen den Trend, alles nach oberflächlichem Gebrauch wegzuwerfen, um sich noch perfektere, bequemere Geräte zu kaufen; mir liegt an einer Gleichbehandlung einfacher, uralter Schlaginstrumente mit den Klangprodukten eben solcher elektronischer Geräte, die nicht mehr zu den neuesten Modellen gehören. Und so möchte ich - anstatt in untertänige Abhängigkeit zu ihnen zu geraten -, die neuen Technologien als "Musikinstrumente" verstehen und mit einbeziehen.

Younghi Pagh-Paan

mehr Informationen über Younghi Pagh-Paan: www.pagh-paan.com

 

 

 

 

 

 

 

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  von HYPERWERK 2002