Schlagquartett Köln

 

 

 

 

 

 

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Boris Müller

Geboren in Haslach/Schwarzwald. 1991 Abschluss des Schlagzeugstudiums an der Musikhochschule Trossingen bei Herrmann Gschwendtner und Franz Lang. Seit 1990 ist er als freischaffender Künstler vorrangig im Bereich zeitgenössischer Musik tätig. Ständige Zusammenarbeit mit führenden Ensembles der Neuen Musik (Ensemble Modern Frankfurt, Klangforum Wien, Ascolta Stuttgart, Klangforum Heidelberg u.a.) Seit 2001 ist er Mirglied des Schlagquartett Köln. Entwicklung der Holzschlaginstrumente für die Oper "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" von Helmut Lachenmann. Seither auch aktiver Instrumentenbauer.

Schlagquartett Nr.1 (2004/05)

Hommage à Chillida

Zwei klangliche Pole herrschen innerhalb meines Schlagquartetts: Auf der einen Seite stehen der Natur abgelauschte, manchmal archaische, auf der anderen Seite sehr technische, fast synthetische Klänge. Beide Extreme sind vielfältig ineinander verwoben. Die Widmung an Chillida ist daher durchaus programmatisch zu verstehen: "Technische" Materialien wie Stahl in kantigen Urformen werden zu biomorphen Gestalten gebogen und der natürlichen Witterung ausgesetzt, bis ein neues Gebilde entsteht. Diese Art der Durchdringung von technischen und organischen Prozessen beherrscht in mancher Hinsicht das Stück.

Ein zweiter Aspekt ist im Spannungsverhältnis zwischen imaginierten Klängen und organischen Bewegungsabläufen gegeben. Für die Komposition des Instrumentariums mussten zahlreiche Klänge erst "gebaut" werden, und die physische Erreichbarkeit jener Klänge bestimmt kompositorische Entscheidungen insofern, als ein organisches Ganzes, ein Dreiklang von Klang, Instrumentarium und (Spiel-)Bewegung angestrebt ist: eine Biologie der praktischen Durchdringung.
Wie in einem Streichquartett übernehmen die Spieler bestimmte Funktionen: Drei Spieler haben perkussive Aufgaben, sie erzeugen schlagend hohe bzw. mittlere bzw. tiefe Klänge. Der vierte Spieler spielt quasi ausschließlich Klänge, die durch Reiben entstehen. Diese Form der Klangerzeugung ist ebenso wie das Streichen von Schlagzeuginstrumenten andernorts häufig eingestreut; hier ist sie gleichsam emanzipiert behandelt, um eine größere Beweglichkeit zu gewährleisten. Es entstehen Geräuschmelodien.
Diese autonome Stimme dient wiederum aber auch der Verbindung der punktuellen Klänge, die die drei schlagenden Spieler erzeugen: Zwischen den Klangpunkten gibt es so nicht nur den natürlichen Nachklang im decrescendo, sondern mittels der geriebenen Klänge entsteht auch die Möglichkeit, die Verbindung, das Kontinuum auf gesteuerte, komponierte Weise zu gestalten.

Ein dritter Aspekt berührt also den Übergang von Einzelattacke zu kontinuierlichem Geräusch. Instrumente wie die verschiedentlich verwendeten Chimes, etwa gebaut aus vielen hundert kleinen Muscheln, lassen das deutlich werden: Hier addieren sich punktuelle Klänge in so dichter Weise, dass ein quasi organisch-chaotisches Geräuschkontinuum entsteht, ein Rauschen, das der Welt der Reibeklänge angenähert ist. Etwas Ähnliches ist komponiert, indem mehrere übereinandergelagerte Texturen von einzelnen Schlägen ein gefärbtes und - im Unterschied zu den nicht mehr beeinflussbaren Chimes - auch gesteuertes Rauschen ergeben, das dunkel oder hell, dick oder ausgedünnt, anschwellend oder abnehmend etc, sein kann.

Das Instrumentarium verwendet vier Materialien: Holz, Metall, Fell und Stein. Alle Materialien werden sowohl geschlagen als auch gerieben.

Uraufführung durch das Schlagquartett Köln am 29.1.2005 in Stuttgart, Festival Eclat

 

 

 

 

 

 

 

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