Schlagquartett Köln

 

 

 

 

 

 

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György Ligeti

geboren als Kind jüdischer Ungarn am 28. Mai 1923 in Dicsöszentmárton, einer Kleinstadt Siebenbürgens, die seit 1920 zu Rumänien gehörte. Seine Mutter, Ilona Somogy, war Augenärztin, der Vater Alexander Ligeti Bankfachmann. Die Musik der Zigeunerkapellen der Stadt, populäre ungarische Weisen und Operettenlieder, die ihm seine Mutter vorsang, gehörten zu den Kindheits-Eindrücken. Später interessierten ihn klassische Musik, Schlager, Operetten, die er im Grammophon hörte, und Jazz. Brahms und Wagner schätzte der Vater nicht, dessen liberale, mit dem Sozialismus sympathisierende Lebenseinstellung, sein Glaube an Vernunft und Pflichtbewusstsein die Atmosphäre der Familie dominierten.
Die Übersiedlung in das regionale Kulturzentrum Cluj [ungar. Kolozsvar, dt. Klausenburg] (1929) ermöglichte Konzert- und Opernbesuche. Erfahrungen im Musikunterricht des 1. Gymnasialjahrs regten ihn zum Notieren selbst gefundener Melodien an. Als sein jüngerer Bruder Gabor Geige lernte, setzte er für sich Klavierunterricht (1936) durch und nahm auf dem Weg zur Lehrerin die Gewohnheit seiner Kindheit wieder auf, sich Musik vorzustellen. Der 14jährige notierte Klavierstücke im Stil Griegs - ein Walzer war seine erste Komposition -, Stücke für Flöte und Klavier; der 15jährige einen Quartettsatz. Wagners und Strauss' Orchesterzauber faszinierten den 16jährigen, der nun Symphoniesätze (1939/40) schrieb, von denen Skizzen erhalten sind.

Als 17jähriger glaubte er sowohl Wissenschaftler wie Komponist werden zu können. Der Vater sah ihn als Studenten der Physik und beobachtete seine kompositorischen Versuche und die Stadtpläne oder Entwürfe zur Grammatik des Phantasiereichs Kylwiria mit Argwohn. Nach dem Abitur (1941) konnte er wegen des numerus clausus für jüdische Studenten nicht Physik studieren und begann am Klausenburger Konservatorium musiktheoretische Studien bei Ferenc Farkas; Orgel als Hauptinstrument. 1944 wurde er zum Arbeitsdienst der ungarischen Armee einberufen, überstand Krieg und Verfolgung und sah im April 1945 seine Mutter wieder, die Auschwitz überlebt hatte, während sein Vater in Bergen-Belsen und sein Bruder in Mauthausen umgekommen waren.

An der Budapester Musikhochschule Kompositionsstudium bei Sándor Veress (1945), später bei Pál Járdányi und Ferenc Farkas; Sommer 1949 Diplom und dort Lehrer für Musiktheorie bis zum Herbst 1956. Nach dem Ungarn-Aufstand floh Ligeti im Dez. 1956 nach Wien, folgte dann einer Einladung Eimerts und Stockhausens nach Köln, arbeitete am elektronischen Studio des WDR mit G. M. König, wurde als Mitarbeiter der Darmstädter Ferienkurse mit der intellektuellen Crčme der Institution bekannt - Adorno, Metzger, Dahlhaus; Boulez, Kagel, Maderna, Nono, B. A. Zimmermann - und analysierte kritisch die Poetik der seriellen Musik.

In den 60er-Jahren gab Ligeti Kompositionskurse in Madrid, Bilthoven, Essen, in Schweden und Finnland. 1969 - 70 Stipendiat des DAAD in Berlin, später in Wien, 1972/73 Composer-in-residence an der Stanford University/Cal. 1973 Professor für Komposition an der Musikhochschule in Hamburg. Dort lebt er heute - mit vielen Preisen und Auszeichnungen geehrt - als Emeritus.

Aus: "Komponisten der Gegenwart", ein Loseblatt-Lexikon, herausgegeben von Hanns-Werner Heister und Walter-Wolfgang Sparrer im Verlag edition text und kritik, München.

Síppal, dobbal, nádihegedüvel (2000)

(Mit Pfeifen, Trommeln, Schilfgeigen)
auf Gedichte von Sándor Weöres

I.Fabel
II.Tanzlied
III.Chinesischer Tempel
IV.Kuli
V.Traum
VI.Bittersüss
VII.Papagei

Sándor Weöres war einer der grössten Dichter Ungarns. Ein moderner, universaler und gleichzeitig experimenteller Dichter, der sowohl die rhythmisch-metrischen als auch semantischen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der ungarischen Sprache ausnützte wie kein anderer. Tiefsinnig und spielerisch, elitär und vulgär, er war Ungarns Mozart. Ich habe im vorliegenden Zyklus sieben Gedichte bzw. Fragmente verwendet, die inhaltlich stark kontrastieren. "Szajkó" scheint Nonsens zu sein, ist aber vollkommen verständlich. Dagegen ist "Táncdal" rhythmisches Spiel pur, doch scheint das Gedicht eine tiefere Bedeutung zu haben. "Kínai templom" evoziert durch einsilbige Wörter ein als-ob-Chinesisch. "Kuli" hat einen bitter sozialkritischen Inhalt, "Fabula" ist grotesk-aggressiv. "Alma álma" experimentelle Poesie von überirdischer Milde. Zur Mezzosopran-Stimme nahm ich vier Schlagzeuger: Das ungarische "Amadinda"-Ensemble bat mich, für sie und für Kati Károlyi zu komponieren.

György Ligeti, 6. September 2000

mehr Informationen über György Ligeti: www.gyoergy-ligeti.de

 

 

 

 

 

 

 

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