Schlagquartett Köln

 

 

 

 

 

 

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Nicolaus A. Huber

Nicolaus A. Huber absolvierte von 1958 bis 1962 ein Studium der Schulmusik mit Hauptfach Klavier in München. Noch während seines Referendariats begann er mit dem Kompositionsstudium zunächst bei Franz Xaver Lehner, das er später bei Günter Bialas fortführte. Wichtig waren in dieser Zeit auch die Arbeit mit Josef Anton Riedl im elektronischen Studio München und ein Kompositionskurs bei Karlheinz Stockhausen in Darmstadt. Nachhaltig geprägt aber haben Huber die Kompositionsstudien bei Luigi Nono in Venedig 1967/68. Die Uraufführung des Streichquartetts "Informationen über die Töne e-f" beim ersten Allgemeinen Deutschen Musikfest 1967 in München verschafften Huber erste Beachtung in der Öffentlichkeit.
Auf Einladung der Folkwang-Hochschule führte Hubers Weg 1969 nach Essen - als Dozent für Musiktheorie und Analyse. 1971 war er Stipendiat der Cité Internationale des Arts in Paris, von 1971 bis 1974 Vizepräsident der Gesellschaft für Neue Musik. 1974 wurde er zum Professor für Komposition an der Folkwang-Hochschule berufen. 1975 bis 1978 schloss er sich der politisch orientierten Revue-Theatergruppe "Dampfmaschine" an, für die er die Musik schrieb. Mit ihr unternahm er Tourneen durch die Bundesrepublik mit Auftritten bei Großveranstaltungen, in Kneipen und Zelten. Parallel komponierte er Solo- und Orchesterkompositionen. Aus Furcht vor Politisch-Brisantem reagierten Konzertveranstalter und Rundfunkhäuser lange Zeit zurückhaltend.
1981 geriet das Orchesterwerk "Morgenlied" unter dem Dirigenten Hans Zender in Saarbrücken zu einem überraschenden Erfolg, der den Anstoß lieferte zu zahlreichen Produktionen und Kompositionsaufträgen. Es folgten Einladungen zu Kompositionsseminaren, Meisterkursen und Porträtkonzerten in vielen Ländern Europas, Amerikas und Asiens. Bei allen namhaften Festivals für Neue Musik im In- und Ausland fanden Ur- und Erstaufführungen seiner Werke statt. Ausgezeichnet wurde Huber mit dem Kulturpreis für Musik der Stadt München (1969), dem Darmstädter Kompositionspreis (1970) und dem Förderpreis Musik der Akademie der Künste Berlin. Seit 1992 ist er Mitglied der Akademien der Künste Berlin und Leipzig.
Heute gilt Nicolaus A. Huber als einer der wichtigsten Komponisten der Generation nach Stockhausen. Er lebt in Essen.

Herbstfestival (1988)

...und selten lärmet
Der Schall durchs offene Feld...

die Lüfte wehen
Die Zweig und Äste durch...

Friedrich Hölderlin, "der Herbst"

Eine insistierende herbstliche Landschaft. Ausgangspunkt für "Herbstfestival". Es war schwer, in die rhythmischen Verwebungen der äusserst leisen Ereignisse einzudringen, vor allem eines davon als Anfang zu bestimmen. Ich versuchte mit der Stoppuhr künstliche Zeitausschnitte zu markieren, um die enthaltene Polyphonie besser studieren zu können. Aber Struktur und Erlebnisart dieser Herbstklänge deckten sich überhaupt nicht mit meinen kompositorischen Wiedergabebedürfnissen. Die auf mich zukommende Klangnatur musste in eine Musiklandschaft von Fellen, Hölzern, Metallen und klangerzeugenden Bewegungen transformiert werden.

Das Stück ist wie ein Gedicht in Zeilen aufgegliedert. Die Zeilenketten sind so angelegt, dass trotz logischer Folge der Farbsets sozusagen ins Unübersichtliche gezählt wird. Aufgrund der Nichtproportionalität von Zeilenlänge und Ereignisdichte pro Zeile entsteht aus der sich steigernden Pressung eine polyphone Ineinanderschiebung, die sich auf Ihrem Höhepunkt zugleich aus Poly- in Monochromie gewandelt hat. Aus solcher Fluidität wächst die 19minütige Crescendostruktur der Komposition. Sie lässt Entfernung in eigenartig erlebbare Musik-Nähe umschlagen. Die Komposition verzichtet auf aufrüttelnde Reklame für ihre Klangerlebnisse, sie braucht offenes, entspannt-aufmerksames, zulassendes Hören.

N.A.Huber (1988)

Clash Music (1988)

Wer liebt nicht die zauberhafte Welt der mechanischen Musikinstrumente, ihr mechanisches Musiktheater mit Trommeln und Becken, die mit Schlegeln wie von unsichtbarer Hand bewegt zum Rhythmus getrieben werden oder mit lebensgetreu nachgebildeten Figuren, deren Finger sich im Klangtempo bewegen, die mit ihren Augen blinzeln, lächeln und sich sogar verbeugen können?
Sich als solche Figur zu verkleiden und auf einem so gutmütigen Instrument wie einem Beckenpaar ein Solo zu spielen, war meine Idee für "Clashmusic"
Sie sollte überall dazwischenpassen, gleichzeitig voller mini-theatralischer Assoziationen sein und sich der Verkleidungsidee überhaupt nicht anpassen.
Expressivität verrät.

N.A.Huber (1988)

Barong Des Méduses für drei Schlagzeuger (2005)

Titel repräsentieren immer mein eigenes Nachdenken über das Stück.So ist BARONG nicht eine altpreußische Französischverballhornung von "Baron" Méduse, einer Erfindung des wunderbar präzisen Erik Satie, sondern bezieht sich auf das balinesische Tanzspiel gleichen Namens. Barong ist die dunkelste und zugleich vertrauteste Gestalt der balinesischen Bühne und jede Aufführung ist voller unvorhersehbarer Risiken. Zwei Männer tanzen diese Figur in Löwenmaske. Das in Trance-Fallen ist dabei besonders gefährlich: einmal geriet ein Spieler derart in Trance, dass er aus seiner Maske herausgeschnitten werden mußte. Solche Zweiheit spiegelt sich auch im Instrumentengebrauch. Viele kleine Becken sind umgedreht und sich überlagernd auf ein Brett montiert und werden mit zwei ebensolchen Becken bespielt. Jedes Becken ist zudem in sich verstimmt, klafft schwebungsreich auseinander. Dem steht Saties Le Piège de Méduse gegenüber. Die Falle ist die Frage des Barons: "Können Sie auf einem Auge tanzen?" Das "Nein" des Astolfo steht für intellektuelles "unschuldiges" Weiß, die Qualle ist acéphale, kopflos. Und die Musik Saties sind ausschließlich Tänze für einen von Meisterhand ausgestopften Affen, der Jonas (der im Walbauch eingeschlossene Prophet) heißt, immer noch das Beste (ES) von uns allen ist und uns beobachtet. Wie der Anblick der Medusa einen erstarren ließ, ist Saties Musik wie ein erstarrtes Möbelstück.
Wenn Sie sich vorstellen, dass meine Töne, Geräusche und Pausen diesen Einführungstext vorher gelesen haben, dann wird es Ihnen ein leichtes Vergnügen sein, ihre Lebensprozesse zu verfolgen, die sich wie Fäden der Medusen durchs Stück ziehen.

N.A.Huber (2005)

 

 

 

 

 

 

 

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